Frühjahrswanderung zur Viezstraßeneröffnung um den Nackberg

Von Wendehälsen, Knabenkräutern und Duddeljungen

Ein Blütenmeer hatten wir unseren Mitwanderern bei der Einladung versprochen.Tja, in diesem Jahr war alles anders. Denn viele Pflanzen haben auf Grund der frühen warmen Tage die Blühzeit einfach mal noch vorne verschoben, so dass nicht die Apfelbäume sondern lediglich der Weißdorn und die späte Traubenkirsche in voller Gehölzblüte standen.
Begrüßen konnten Hildegard Gottfrois-Bartel als 2. Vorsitzende des NABU Merzig und Martin Thiery, Umweltbeauftragter der Kreisstadt Merzig, die über 20 Interessierten Besucherinnen und Besucher am Parkplatz des Naturschutzgebietes Nackberg.

Auf der Höhe des Nackberges erläuterte Gerd Winter die Geologie und Boden des mittleren Saartales und der angrenzenden Hänge. Sein kleiner Exkurs über die letzten 220 Millionen Jahre endete im Auffinden von kleinen Fossilien, den so genannten Mühlsteinchen, welche nichts anderes darstellen, als die versteinerten runden Stengelstückchen der Seelilien. Eine Erinnerung an die Zeit, als die Nackbergspitze noch Teil von Korallenbänken war.

Die Gruppe fand auf dem Weg über den Berg viele, für trockene, kalkige Böden typische Pflanzen bis hin zum Purpur-Knabenkraut, Helm-Knabenkraut und der allerdings schon verblühten Küchenschelle. Erfreulicherweise konnte wir auch den Pflanzenspezialisten Winfried Minninger aus Beckingen zu den Teilnehmern zählen, der einiges zur Pflanzenwelt der Gegend zu erzählen hatte. Vielen Dank dafür von unserer Seite.

Bei strahlendem Sonnenschein zeigte Markus Austgen als Vogelspezialist viele typische Arten. Ein besonderes Schauspiel bot der Singflug des Baumpiepers, der sich singend und wie ein kleiner Fallschirm segelnd aus luftiger Höhe auf seiner Warte auf einem Baumwipfel niederließ. Zu hören gab es neben den typischen Streuobstwiesenbewohnern Wendehals, Grün- und Kleinspecht auch den Gartenrotschwanz und eine Vielzahl weiterer Arten.

Entlang des Monbaches umwanderte die Gruppe den Nackberg und gelangte zu einem weiteren Schwerpunkt der Exkursion, dem Apfelsortengarten des NABU.  2000 bis 2002 entstand dort eine ganz besondere Streuobstwiese. Gepflanzt wurden nach einer Planung von Markus Austgen und Gerd Winter über 100 verschiedene regionale historische Apfelsorten zu je 2 Exemplaren. Wunschziel ist es einen Teil der unglaublichen Vielfalt der Apfelsorten vor dem Verschwinden und Vergessen zu bewahren. Äpfel wie der Duddeljung, das Christkindel, der Rheinische Krummstiel oder die Schafsnase sollten für die Nachwelt erhalten bleiben.

Ein europäisches Förderprogramm, unterstützt durch den NABU Saarland und die Kreisstadt Merzig, ermöglichte die Umsetzung der ehrgeizigen Planung. Gepflegt und geschnitten werden die über 200 Bäume durch die Herren Austgen, Winter und Thiery; die Unternutzung, also der Wiesenschnitt, erledigt der Grundeigentümer und NABU-Mitglied Johannes Weiten vom Hofgut Nackberg. 

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